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Geburtsverletzungen und Dammriss - was Hebammen empfehlen

Geburtsverletzungen und Dammriss - was Hebammen empfehlen

Geburtsverletzungen – das Thema beschäftigt die meisten Frauen (meist nicht nur kurz) vor der Geburt. Alle haben irgendwie Angst davor, jeder hat die Worte wie "Dammriss", "Labienriss" oder "Dammschnitt" schon mal gehört, meistens in Zusammenhang mit viel Blut, Schmerzen und anderen Katastrophenszenarien. Kein Wunder also, dass es immer ein großes Thema mit vielen Fragen in jedem Geburtsvorbereitungskurs ist. Das ist für uns heute Anlass genug, mal aufzuräumen mit den Geburtsverletzungs-Mythen und auch, ein paar Tipps, Tricks aber auch Daten und Fakten mit Euch zu teilen. Wir wollen das große Thema Geburtsverletzungen etwas für Euch „entmystifizieren“. Ein paar kurze Fakten vorab: Ja, viele Frauen haben nach einer Vaginalen Geburt (kleine) Verletzungen. Meistens sind die Geburtsverletzungen aber auch eher harmlos und heilen sehr gut und schnell ab. Wirklich nur selten kommt es zu größeren Verletzungen bei der Geburt und nachfolgenden Wundheilungsstörungen im Wochenbett. Wenn es aber zu Wundheilungsstörungen und Schmerzen kommt, muss das dennoch sehr ernst genommen werden und professionell von einer Gynäkologin, einem Gynäkologen und einer Hebamme begleitet werden, damit es zu keinen Langzeitfolgen und anhaltenden Beschwerden kommt. Deshalb sprecht bei Problemen immer direkt mit eurer Nachsorge-Hebamme oder kontaktiert eure Gynäkologin oder euren Gynäkologen Es kann zu verschiedensten Geburtsverletzungen im gesamten Geburtsbereich kommen, unter anderem: am Damm, an der Vulva (Schamlippen, Klitoris), der Vagina, dem Muttermund, dem Schließmuskel oder auch der inneren Beckenmuskulatur Welche Geburtsverletzungen gibt es überhaupt?  Dammriss – die häufigste aller Geburtsverletzungen Im Rahmen einer vaginalen Geburt kommt es häufig zu Verletzungen am Damm –  dem „Dammriss“. Als Damm, medizinisch auch bekannt unter Perineum, liegt bei uns Frauen zwischen Scheide und After. Er ist Teil des Beckenbodens und besteht aus Haut, Muskeln und Bindegewebe. Auch Männer haben einen Damm - zwischen Hodensack und After. Am gefürchtetsten ist wohl der Dammriss – zu Unrecht – denn als Hebamme kann ich sagen, der Dammriss ist eine „sinnvolle“ von unserem Körper eingerichtet Methode, die ihre positiven Aspekte mit sich bringt! Der Dammriss kann als eine vom Körper eingerichtete „Sollbruchstelle“ angesehen werden, die wir als Positiv ansehen sollten, denn wir können unserem Körper sehr dankbar dafür sein. Die Sollbruchstelle der Geburt – der Dammriss  Ich erkläre Dir mal genauer, warum der Dammriss etwas Positives sein kann: Der Damm ist eine sogenannte Sollbruchstelle -  das Gewebe unseres Damms ist dafür konzipiert sich zu dehnen und anzupassen und auch dem Baby mehr Platz zu machen (falls es diesen benötigt). Der Damm reißt immer nur genauso weit, wie auch wirklich Platz benötigt wird. Wenn der Druck nach dem Durchtritt (meist des Kopfes oder der Schultern) weniger wird, hört er auf zu reißen und sich zu weiten, was durchaus sehr praktisch ist. Zudem zieht sich das Damm-Gewebe erst ganz dünn aus und wird fast weiß, was auf eine nicht mehr vollständige Durchblutung hindeutet – dies ist wiederum eine sehr smarte Sache von unserem (magischen) Körper, denn so schützen wir uns vor den Schmerzen und einer stärkeren Blutung wenn der Damm reißt. Unser Körper betäubt sich also selbst. In den meisten Fällen kommt es bei einer vaginalen Geburt ohne Interventionen nur zu kleinen Verletzungen am Damm (bezeichnet als Dammriss 1. oder 2. Grades), die nicht oder nur wenig versorgt werden müssen und oft nur eine kleine Naht brauchen und danach gut heilen. Grundsätzlich teilen Hebammen und Gynäkologen den Dammriss je nach Schwere in vier unterschiedliche Grade ein: Es gibt einen Dammriss 1. bis 4. Grades, in den allermeisten Fällen handelt es sich um einen Dammriss 1. oder 2. Grades Dammriss Grad 1: Dies ist ein oberflächlicher Hautriss der Vaginal- und/oder Dammhaut. Dieser kann ganz von alleine heilen oder wird unter lokaler Betäubung mit wenigen Stichen genäht. Die Wundheilung verläuft meist komplikationsfrei. Dammriss Grad 2: Die Haut und Muskulatur im Dammbereich reißt, der Schließmuskel ist noch intakt. Dieser wird unter lokaler Betäubung genäht, auch hier ist die Wundheilung meist komplikationsfrei. Dammriss Grad 3 : Der äußere Schließmuskel des Afters ist angerissen oder reißt. Er wird auch meistens unter lokaler Betäubung genäht (selten auch in Vollnarkose). Dammriss Grad 4 : Der Schließmuskel ist durchtrennt und ein Teil der Darmschleimhaut ist gerissen. Hier wird die Verletzung in einem operativen Eingriff in Vollnarkose genäht. Das klingt jetzt erstmal „schlimm“, daher will ich Euch die Dammriss-Statistiken nicht vorenthalten: 2017 kam es bei gut der Hälfte aller natürlichen Geburten zu einem Dammriss (bei 54,7%, laut Bundesamt für Statistik - Geburten und Müttergesundheit 2017) Fast immer handelte es sich um einen Dammriss 1. oder 2. Grades – und zwar in 94,7% der Fälle Dammschnitt oder Episiotomie Auch der (nicht natürliche) Dammschnitt ist eine Geburtsverletzung, in der Fachsprache sagt man dazu Episiotomie oder kurz Epi. Es handelt sich dabei um einen künstlich herbei geführten Schnitt durch eine Hebamme oder eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen: Auf dem Höhepunkt einer Wehe wird mit einer medizinischen Schere ein Schnitt im Dammbereich gemacht. Dabei kann man u.a. drei verschiedene Schnittführungen unterscheiden. Warum ein Dammschnitt? Er soll zur Vermeidung von größeren Geburtsverletzungen verhelfen – aber zahlreiche Studien haben gezeigt, dass dies nicht immer der Fall ist und das der Dammschnitt das weitere Einreißen des Dammes nicht unbedingt verhindern kann (Bundesamt für Statistik - Geburten und Müttergesundheit 2017). Darüber hinaus gibt es Studien, dass bei einem Dammschnitt mehr Blutgefäße und Nerven verletzt werden und somit ein Dammschnitt schlechter verheilt als ein Dammriss. Somit ist auch bei einem Dammriss eine schnellere und eine weniger schmerzhafte Wundheilung zu erwarten. Die Empfehlung ist daher, einen Dammschnitt nur in ganz selten Fällen und bestimmten medizinischen Situationen durchzuführen. Entgegen dessen wird von verschiedenen Instanzen immer noch behauptet, der Dammschnitt sei zwingend nötig. Bei z.B. Zwillingsgeburten, Geburten aus Beckenendlage, vaginal operativen Geburten (also z.B. Saugglockengeburt) aber all das ist nicht zwangsläufig medizinisch richtig. Der Dammschnitt ist in diesen Situationen nicht unbedingt zwingend notwendig und muss daher auch nicht routinemäßig durchgeführt werden (wie es früher der Fall war, es wurde früher auch angenommen, dass dieser routinemäßig erfolgen sollte. Damals hat jede Erstgebärende einen Dammschnitt bekommen). Nur in sehr ausgewählten Situationen ist ein Dammschnitt nötig und sinnvoll – z.B. dann, wenn es dem Baby während der Geburt schlecht geht und man durch den Dammschnitt dem Baby schneller auf die Welt helfen kann. ´ Du kannst dich bei deiner Auswahl des Geburtsortes über die Dammschnittrate in dem jeweiligen Krankenhaus informieren und gezielt danach fragen und dich außerdem bei dem Vorgespräch oder Anmeldegespräch in der Klinik deine Wünsche äußern. Du kannst z.B. auch transparent und offen äußern, dass du einen Dammschnitt - wenn möglich - vermeiden willst und, dass du einen natürlichen Dammriss bevorzugst. Leider ist es nicht so einfach an die exakten Zahlen zu kommen, viele Kliniken liefern keine genauen Daten zu ihren Dammschnittraten. Heutzutage findet man in Deutschland Angaben zu Dammschnittraten von 0-29% (mother hood e.V.). Sicher ist, er sollte nur in bestimmten medizinischen Situationen angewendet werden. Weitere kleinere Geburtsverletzungen Es kann neben Dammriss und Dammschnitt auch zu anderen Rissverletzungen oder Schürfungen während der Geburt kommen. Scheidenriss: Dies ist ein Riss bzw. eine Verletzung der Vagina Labienriss: Dieser steht für einen Riss oder eine Schürfung der Schamlippen. Je nachdem, wie groß die Verletzung und die Blutung ist, wird der Riss in lokaler Anästhesie mit selbstauflösenden Fäden genäht. Das Gewebe im Intimbereich heilt aber erstaunlich gut und auch schnell: Wenn im Wochenbett viel Ruhe eingehalten wird, fördert das die Wundheilung - Ruhe und viel Liegen hilft . Tipps zur Heilung von Geburtsverletzungen - Wie kann ich den Heilungsverlauf selbst unterstützen? Um nach der Geburt wieder auf die Beine zu kommen, empfiehlt sich das Wochenbett dafür zu nutzen, wofür es da ist: Ruhe 😉 Ihr könnt alles zum Wochenbett auch hier nachlesen. Ich will Euch aber auch die anderen Tipps zur Heilung von Geburtsverletzungen und, was Du tun kannst, nicht vorenthalten. Ruhe und Schonung Mein erster Tipp ist tatsächlich – Schone dich so gut es geht! – gönne dir ganz viel Ruhe nach der Geburt. Versuche bitte so viel wie nur möglich zu liegen, denn das entlastet die Geburtsverletzung und trägt somit auch zu einer besseren und schnelleren Wundheilung bei. Versuche wenn möglich auch im Liegen (in Seitenlage) zu stillen , denn am Anfang stillt man wirklich oft und diese Zeit kannst du gut nutzen um zu Liegen und den Beckenboden und die Geburtsverletzungen zu entlasten. Achte bitte, gerade zu Beginn im Heilungsprozess auf eine „gute Position“ beim Sitzen und Stehen, also auf eine „geschlossene“ Haltung! So empfiehlt es sich z.B. nicht im Schneidersitz sitzen oder zu lange breitbeinig stehen, denn das kann Spannung auf die Naht ausüben und könnte zu vermeidbaren Schmerzen führen . Kurze Checkliste: besser mit ausgetreckten oder überkreuzten Beinen sitzen, Schneidersitz vermeiden besser vor dem Wickeltisch im Ausfall Schritt stehen (schützt den Beckenboden) Du wirst dann auch von alleine merken welche Positionen für dich angenehm sind und was nicht. Vertraue auch hier wieder deinem Körper und höre auf seine Zeichen, wenn sich abzeichnet, dass etwas zu viel wird! Frische Luft Ein weiterer Tipp den ich Dir mitgeben möchte ist neben Ruhe auch Luft – du kannst ab und zu mal nackig oder „unten ohne „ ;-) auf einer Unterlage oder einem Handtuch liegen und frische Luft an die Verletzung lassen. Achte in diesem Zusammenhang auch auf gute Wochenbettbinden: Diese sind Plastikfrei Luftdurchlässig ohne Duftstoffe und wechsele die Binden regelmäßig. Lifehack: Po-Dusche  Eine Intim/Po-Dusche ist sehr angenehm im Wochenbett und vor allem bei Geburtsverletzungen – damit kannst du einfach bei und nach jedem Toilettengang mit klarem Wasser spülen. Wenn es beim Wasserlassen brennen sollte, brennt es durch das fließende Wasser nicht mehr. Du kannst Dir dabei aussuchen, ob Du kühles, klares Leitungswasser verwenden willst oder aber auch ein paar hilfreiche „Zusätze“ hinzu geben willst z.B. Calendula Essenz. Du kannst diese Essenz mit ins Wasser mischen, es hilft die Wunde zu säubern und unterstützt den Heilungsprozess (da es antibakteriell und abschwellend wirkt).  Ausreichende Kühlung Eine schmerzende Wunde zu kühlen – ist für viele Frauen ein angenehmes Gefühl. Immer wenn Du auf Kühlbags zurückgreifst, bitte ich Dich, darauf zu achten, dass die Kühlunhg nicht zu kalt ist. Das bedeutet: Nicht aus dem Eisfach direkt auf die Wunde, sondern erst einmal etwas bei Zimmertemperatur liegen lassen und dann die Temperatur überprüfen bevor du Dein Kühlbags auf die Wunde legst. Beim Kühlbag darfst Du kreativ sein: Du kannst z.B. ein Kondom mit Wasser befüllen und ins Gefrierfach legen. Oder Du nimmst eine Binde und machst sie mit sauberem Leitungswasser nass (auch hier könntest du Calendula Essenz mit dazu mischen) und legst sie dann ins Gefrierfach und lässt die nasse Binde einfrieren. Achte darauf, dass du nicht zu lange und zu oft kühlst, das könnte den Heilungsprozess wiederrum verlangsamen. Sitzbäder Auch Sitzbäder – können eine sehr schöne Sache sein. Viele Frauen empfinden es als sehr angenehm im Wochenbett, Sitzbäder zu nehmen. Je nach dem welchen Zusatz ihr verwendet, wirkt das Sitzbad entzündungshemmend, lindernd, antibakteriell oder einfach nur wohltuend. Besprich am Besten mit deiner Hebamme ob ein Sitzbad bei deiner Geburtsverletzung Sinn macht und ab wann ein Sitzbad für dich empfehlenswert ist. Schöne Zusätze für ein Sitzbad könnten sein : Sitzbad aus der Bahnhofsapotheke Tannolact Kamille Calendulaessenz Eichenrinde Totes-Meersalz und viele andere Zusätze Es gibt auch verschiedene Salben und Sprays die super angenehm sein können und die Heilung unterstützen: Mein Hebammentipp: Beinwellsalbe (aus der Apotheke) oder das Recoveryspray (into-life, Kareen Dannhauer) Was sind mögliche Folgen von Geburtsverletzungen? Kann ich langfristigen Schaden tragen von Geburtsverletzungen? Natürlich trägt jede Geburt ein gewisses Risiko in sich. Wir bringen aus unserem Körper ein Leben hervor – Dein Körper vollbringt ein Wunder, und das kann manchmal natürlich schmerzhafter und weniger schnell heilend sein und ist – wie immer - sehr individuell. Auch wenn Geburtsverletzungen in den ersten Tagen echt mitunter sehr unangenehm sein können, verheilen sie bei guter Nachsorge meist problemlos, ohne langfristige Spuren zu hinterlassen. Wundheilungsstörung und Infektion ist das häufigste Risiko. Bei Wundheilungstörungen oder Problemen wende dich lieber direkt an deine Hebamme bzw. deine Gynäkolgin oder deinen Gynäkologen, denn es könnte zu einer Infektion der Geburtsverletzung kommen und dies sollte dann immer medizinisch abgeklärt und ärztlich behandelt werden. Lass Deinem Körper also genügend Ruhe und Zeit für die ungestörte Wundheilung. Überstürze am besten auch postnatalen Sex nicht: Gerade während des Wochenflusses ist Geschlechtsverkehr zwar möglich, birgt aber auch eine erhöhte Infektionsgefahr – daher in jedem Fall ein Kondom verwenden. Kann ich Geburtsverletzungen vorbeugen? Yes you can try! Geburtsverletzungen sind sehr individuell und hängen von unterschiedlichsten Faktoren wie Gewicht, Größe, Lage und Kopfumfang des Babys, Geburtsgeschwindigkeit sowie Höhe und Dehnbarkeit des Dammes (genetischer Einfuss) ab. All das kann Einfluss darauf haben, ob Du davon Verletzungen bei der Geburt trägst oder nicht. Wenn Du das erste Mal ein Kind gebärst, ist dein Risiko statistisch höher, Geburtsverletzungen zu erleiden, denn die Wahrscheinlichkeit für Geburtsverletzungen sinkt mit der Zahl an vaginalen Geburten. Es gibt ein paar kleine Tipps und Tricks, wie man sich vorbereiten kann: Dammmassage: Bereits vor der Geburt kannst Du Deinen Damm mit einer Massage auf die Belastung während der Geburt und die enorme Dehnung vorbereiten. Eine Dammmassage ist nie eine Garantie dafür, dass ein Dammriss oder andere Geburtsverletzungen ausbleiben, sie trägt aber dazu bei, das Gewebe geschmeidiger zu machen und gibt Dir auch eine gehörige Portion Selbstliebe 😉. Außerdem hilft sie vielen Schwangeren, sich etwas zu entspannen und das Gefühl zu haben, der Geburt gelassener und „gut vorbereitet“ entgegenzublicken. Geburtsposition: Auch während der Geburt gibt es einige Dinge, die Du tun kannst, um die statistische Wahrscheinlichkeit für Geburtsverletzungen zu senken. So spielt beispielsweise die richtige Position eine essenzielle Rolle: Die „traditionelle“ Geburtsposition, liegend mit angewinkelten Beinen, belastet den Damm am stärksten. Im Vierfüßler Stand oder auch in der Position der Seitenlage ist der Druck auf den Damm weniger stark und die Wahrscheinlichkeit für Risse im empfindlichen Gewebe kann sinken. Je nach Phase der Geburt gibt es unterschiedliche empfehlenswerte Positionen – Deine Hebamme kennt sich dazu am besten aus – sprich sie proaktiv an. Es ist auch üblich während der Geburt die Positionen zwischendurch zu wechseln, wenn beispielsweise die Lage des Kopfes Deines Babys sich ändert. Richtig Pressen: In der finalen Phase der Geburt, der sogenannten Austreibungsphase, treten häufig Verletzungen auf. In dieser Phase, wo der Kopf Deines Babys den Damm am meisten dehnt, kann Deine Hebamme den Damm von außen unterstützen, um die Spannung etwas abzufedern. Sie wird Dich auch darauf hinweisen und Dir helfen, bewusst die Wehen zum richtigen Pressen zu nutzen. So vermeidest Du, dass Dein Damm durch kontinuierliches Pressen unnötig belastet wird. Es ist sinnvoll, zwischen den Wehen kurz innezuhalten oder diese sogar zu veratmen – auch wenn Du es kaum noch erwarten kannst, Dein Baby in Deinen Händen zu halten! Denn so kann sich Dein Dammgewebe langsam dehnen und auch kleine Geweberisse können verhindert werden. Du siehst, selbst die Atmung kann einen Unterschied machen. Sei also bewusst mit Ihr – auch das kannst Du trainieren 😊 Deine Frauenärztin/Dein Frauenarzt beziehungsweise Deine Hebamme werden Deinen Damm während des Geburtsverlaufes im Blick haben und alles versuchen, das Verletzungsrisiko möglichst zu minimieren. Famous last words Wichtig ist wirklich, dass du bei allen Beschwerden dich immer traust mit deiner Hebamme oder deiner Gynäkologin, deinem Gynäkologen zu sprechen Es kann zu Wundheilungsstörungen und Infektionen kommen und das sollte immer ärztlich abgeklärt werden Du musst keine Schmerzen nach der Geburt aushalten! Du darfst gerne Schmerzmittel einnehmen – bespreche also immer welche Schmerzmittel und in welcher Dosierung du sie einnehmen kannst (auch wenn du stillst gibt es viele Präparate, die geeignet und zugelassen sind) Nahtfäden die für die Versorgung einer Geburtsverletzung verwendet werden sind in den meisten Fällen selbstauflösend - natürlich dauert es je nach Nahtmaterial und Gewebe unterschiedlich lange bis die Fäden sich komplett aufgelöst haben Es kann sein, dass sich dann kleine harte Konten bilden (durch den Kontakt mit dem Wochenfluss zum Beispiel) diese können mitunter dann sehr unangenehm sein und sich z.B. etwas stachelig anfühlen. Besprich Deine Sorgen, Schmerzen und auch Ängste in diesem Zusammenhang dann bitte direkt mit deiner Hebamme oder deiner Gynäkologin / deinem Gynäkologen. Sie können nach ca. 7 Tagen dann diese harten Stellen/Knoten entfernen. Alles in allem könnt Ihr hier mal wieder sehen, wir wie wichtig die Zeit des Wochenbettes ist. Um Anzukommen und Dein Baby kennenzulernen, aber eben auch zum Erholen und Heilen! Jetzt ist also viel Ruhe angesagt. Jede Geburt hinterlässt ihre Spuren – Äußere und Innere. Lasse Dich durch den Gedanken an potenzielle Risiken bei einer Geburt nicht zu stark verunsichern, sondern versuche, dem Wunder der Geburt möglichst entspannt entgegenzublicken. Sobald Du Dein Kind in Armen hältst, wird es Dich sowieso für alle Schmerzen entschädigen, sodass diese schon bald wieder vergessen sind. Wir drücken Dir die Daumen, für eine möglichst schmerz- und verletzungsfreie Geburt. Alles Gute für Dich und Euch,Deine baybies Hebamme Ana
Der Geburtsbeginn - die Latenzphase einfach erklärt

Der Geburtsbeginn - die Latenzphase einfach erklärt

Die Latenzphase: Der Beginn der Geburt Die Latenzphase, auch als frühe Geburtsphase bezeichnet, ist der erste Schritt auf dem Weg zur Geburt. Sie markiert den Beginn des Geburtsprozesses und wird in der Fachliteratur unterschiedlich definiert. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beginnt die Latenzphase mit den ersten Anzeichen der Geburt und dauert bis zu einer Muttermundseröffnung von etwa 5 cm an. Die Einzigartigkeit der Latenzphase Diese Phase ist besonders, weil sie von jeder Frau sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Manche Frauen nehmen diese Phase kaum wahr, während andere sie als sehr intensiv erleben. Die Dauer kann stark variieren – von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen. Besonders bei Erstgebärenden dauert die Latenzphase oft länger als bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben. Die Symptome in der Latenzphase können vielfältig sein. Viele Frauen spüren Unterleibskrämpfe, ähnlich wie bei Menstruationsschmerzen, oder Rückenschmerzen. Andere haben Durchfall oder müssen häufiger zur Toilette. Es kann auch zu vermehrtem vaginalen Ausfluss kommen, der Schleimpfropf kann sich lösen und es kann zu leichten Schmierblutungen kommen. Einige Frauen erleben schon deutliche Wehen, die jedoch in großen Abständen und unregelmäßig auftreten. Diese Anzeichen zeigen, dass der Körper auf dem richtigen Weg ist und sich auf die Geburt vorbereitet. Emotionale Herausforderungen und Frustration Für viele Frauen kann die Latenzphase frustrierend sein, insbesondere wenn die Wehen schon über viele Stunden anhalten, aber der Muttermund sich kaum geöffnet hat. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass diese Phase eine sinnvolle Funktion hat: Sie bereitet das Gewebe auf die aktive Geburtsphase vor. Der Gebärmutterhals verkürzt sich, das Gewebe wird weicher und dehnbarer, sodass der Muttermund sich später öffnen kann. Obwohl die Wehen in dieser Phase auch nochmal aufhören können, ist das vollkommen normal und darf so sein. Es wird oft als "time-in-between" bezeichnet – eine Zeit des Übergangs. Die Bedeutung des Begriffs „Latenzphase“ Der Begriff "latent" beschreibt etwas, das vorhanden, aber noch nicht sichtbar oder direkt erfassbar ist. Dies passt perfekt zur Latenzphase, da sich der Körper bereits auf die Geburt vorbereitet, ohne dass dies äußerlich sofort offensichtlich ist. Umgang mit der Latenzphase Emotional kann diese Phase eine Herausforderung sein. Die Vorfreude auf den Beginn der Geburt mischt sich oft mit Enttäuschung, wenn es nicht so schnell vorangeht wie erwartet. In dieser Zeit ist es wichtig, sich sicher und geborgen zu fühlen. Die Anwesenheit eines vertrauten Partners, einer Doula oder Hebamme kann dabei sehr hilfreich sein und Sicherheit geben. Es ist auch die Zeit des Rückzugs und des Einlassens auf den Geburtsprozess. Die Geburt beginnt jetzt – die Schwangerschaft geht zu Ende. Es ist noch keine Eile geboten, ins Krankenhaus oder an den Geburtsort zu fahren, besonders wenn die Schwangerschaft unauffällig verläuft. Tipps für die Latenzphase In der Latenzphase gibt es einige Dinge, die man tun kann, um sich wohlzufühlen und Energie für die aktive Phase der Geburt zu sparen: Ausruhen: Wenn möglich, versuchen Sie, noch zu schlafen oder sich auszuruhen. Besonders in der Nacht ist es wichtig, so viel Energie wie möglich zu sammeln. Sanfte Bewegung: Leichte Bewegung wie Tanzen oder das Ausprobieren verschiedener Positionen kann helfen, sich wohler zu fühlen. Entspannung: Ein warmes Bad, eine Dusche oder eine Massage vom Partner kann wohltuend sein. Eine Wärmflasche am Kreuzbein kann ebenfalls Linderung verschaffen. Ablenkung: Manche Frauen bevorzugen es, sich abzulenken, indem sie lesen, spazieren gehen oder sogar einen Kuchen backen. Finden Sie heraus, was Ihnen guttut. Stress vermeiden: Versuchen Sie, Stress zu minimieren. Legen Sie die Uhr weg und tracken Sie Ihre Wehen noch nicht in einer App. Geduld haben: Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Körper bereits wichtige Arbeit leistet und diese Zeit der Geburt keineswegs „umsonst“ ist. Essen und Trinken: Füllen Sie Ihre Energie durch Nahrung und Flüssigkeit auf. Hören Sie auf Ihr Gefühl, was Sie jetzt brauchen und was Ihnen Energie gibt. Toilettengang: Gehen Sie regelmäßig zur Toilette, um Platz für das Baby zu schaffen und den Geburtsprozess zu unterstützen. Fazit Die Latenzphase ist eine bedeutende und notwendige Phase der Geburt. Auch wenn sie manchmal frustrierend sein kann, ist sie ein entscheidender Schritt, der den Körper auf die aktive Geburtsphase vorbereitet. Es ist wichtig, diese Phase anzunehmen und sich darauf einzulassen. Vertrauen Sie Ihrem Körper und nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um sich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten.   Alles Liebe,  Eure baybies-Hebamme Ana
Die richtigen Geburtspositionen finden: Ein Ratgeber für werdende Mütter

Die richtigen Geburtspositionen finden: Ein Ratgeber für werdende Mütter

Vielfalt der Geburtspositionen Zuallererst: Es gibt viele verschiedene Positionen für die Geburt und es gibt hier kein „richtig“ oder „falsch“. Jeder Körper und jedes Baby sind so individuell, dass man nicht eine perfekte Position empfehlen kann. Wichtig ist nur, dass jede Frau die freie Entscheidung hat, ihre Position unter der Geburt selbst und frei zu wählen. Die klassische Rückenlage Aus Filmen kennen wir alle die klassische Position: auf dem Rücken liegend im Bett, oft mit angezogenen Beinen, und um das Bett herum stehen viele Leute, die der Gebärenden Anweisungen geben. Diese Rückenlage ist oft nicht die optimalste Position und hat einige Nachteile: Das Risiko für Geburtsverletzungen steigt. Schmerz wird in Rückenlage oft stärker empfunden. Keine Bewegungsfreiheit wird als unangenehm empfunden. Das Becken verkleinert sich im Liegen. Vena-Cava-Syndrom (wird unten erklärt). Der Muttermund öffnet sich eventuell langsamer. Alternative Positionen Es gibt viele verschiedene Positionen, und die Rückenlage ist nur eine von vielen Optionen. Bei Geburten in Krankenhäusern ist die Rückenlage im Bett jedoch immer noch eine der häufigsten Positionen. Warum ist das so? Frauen sind oft gut informiert und kennen viele andere Positionen und vor allem die Nachteile der Rückenlage, aber am Ende gebären sie trotzdem auf dem Rücken. Ein großer Faktor ist, dass das Bett meistens die zentrale Rolle im Raum einnimmt und dazu einlädt (oder drängt), sich ins Bett zu legen. Ein weiterer und vielleicht der größte Faktor ist das Personal, für das die Rückenlage am komfortabelsten ist. Alle Interventionen lassen sich in dieser Position am einfachsten durchführen, und die meisten Geburtshelfer haben das Gebären in Rückenlage gelernt und sind damit am vertrautesten. Bewegungsfreiheit und intuitive Geburtspositionen Studien zeigen, dass Frauen, die zu Hause gebären, fast nie in Rückenlage gebären, sondern sich intuitiv viel bewegen und häufiger in einer aufrechten Position gebären. Ich sage in meinen Geburtsvorbereitungskursen immer, am wichtigsten ist, dass die Frau sich wohlfühlt und ihre Position selbst wählen kann. Um herauszufinden, was sich am besten anfühlt, muss man sich bewegen und verschiedene Positionen ausprobieren. Bewegung und Positionswechsel sind immer hilfreich. Durch die Bewegung unter der Geburt hilfst du deinem Baby, den besten Weg durchs Becken zu finden. Mobilität im Becken Wähle Positionen, bei denen Bewegung im Becken möglich ist. Mobilität im Becken ist super wichtig im Geburtsprozess. Durch Mobilität und Bewegung kann sich der Beckeneingang und der Beckenausgang vergrößern und verkleinern. Die Beckenknochen sind nicht fest miteinander verwachsen, sondern flexibel verbunden, was durch das Hormon Relaxin ermöglicht wird. Relaxin wird in der Schwangerschaft gebildet und sorgt dafür, dass die Bänder und Gelenke im Beckenbereich weicher und dehnbarer werden. Dadurch können sich die Beckenknochen bewegen, was den Beckeneingang und -ausgang vergrößern kann. Vena-Cava-Syndrom und Beweglichkeit Wenn du zum Beispiel auf dem Rücken liegst, kann sich das Steißbein nicht nach hinten bewegen, was bedeutet, dass es keine Möglichkeit gibt, mehr Platz für den Kopf des Babys zu machen. Anders ist das in der Seitenlage oder im Vierfüßlerstand, wo du mehr Mobilität im Becken hast. Eine weiterer Nachteil der Rückenlage ist das Vena-Cava-Syndrom – durch den Druck des Uterus auf die große Hohlvene wird der Bluttransport komprimiert, der Blutfluss zum Herzen kann reduziert werden, was zu einem Blutdruckabfall und einer verminderten Sauerstoffversorgung des Babys führen kann. Seitenlage Die Seitenlage (eventuell mit Kissen zwischen den Beinen) ist eine gute Position, um Kraft zu sammeln und sich in den Wehenpausen richtig auszuruhen und alle Muskeln zu entspannen. Die Seitenlage kann eine gute Option in der Eröffnungsphase der Geburt sein, aber auch für die Pressphase. Wenn du in Seitenlage bist, wechsele die Seiten ab und zu. Du kannst verschiedene Varianten testen und probieren, je nach Geburtsphase und was sich gut anfühlt. Einige Frauen ziehen in den Wehen das obere Bein zu sich ran, für andere fühlt es sich besser an, die Beine geschlossen zu halten. Aufrechte Positionen Aufrechte Positionen wie Stehen, Sitzen, Hocken oder Knien haben viele Vorteile unter der Geburt: Schwerkraft: Durch die aufrechte Position nutzt du die Schwerkraft, um das Baby nach unten zu bewegen und den Geburtsprozess zu unterstützen und zu beschleunigen. Bessere Durchblutung: Die Blutzirkulation ist besser, was die Sauerstoffversorgung von Mutter und Baby verbessert. Effektivere Wehen und kürzere Geburtsdauer: In aufrechter Position kann die Wehenkraft besser genutzt werden, und der Muttermund kann sich eventuell schneller öffnen. Größerer Beckenausgang: Die Beckenknochen haben in aufrechten Positionen mehr Platz, sich zu bewegen, und der Beckenausgang kann weiter werden. Bessere Atmung: Frauen können oft besser atmen, da weniger Druck auf die Lunge und das Zwerchfell ausgeübt wird. Weniger medizinische Interventionen: Studien zeigen, dass aufrechte Geburtspositionen oft mit einer geringeren Notwendigkeit für medizinische Eingriffe verbunden sind. Vierfüßlerstand Der Vierfüßlerstand kann in verschiedenen Phasen der Geburt eine super Position sein. Viele Frauen nehmen diese Position automatisch ein, wenn sie die Möglichkeit haben, sich frei zu bewegen. In dieser Position kannst du dich hin und her bewegen und in den Pausen ruhen, wenn du kniest und dich nach vorne über ein großes Kissen, einen Ball oder die Bettkante lehnst. Es gibt weniger Druck auf den Damm, was eine dammschonende Geburtsposition ist. Im Vierfüßlerstand kann der Partner gut den unteren Rücken massieren oder deine Hüftknochen zusammen schieben (double hip squeeze). CTG und Bewegung Wenn ein CTG unter der Geburt geschrieben werden soll, frage, ob das im Stehen und in Bewegung geht. Auch mit einer PDA kannst du dich meistens noch gut bewegen. Probiere verschiedene Positionen aus und schaue, wie es sich am besten anfühlt. Deine Hebamme, deine Doula oder dein Partner können dich unterstützen und verschiedene Positionen vorschlagen und Hilfsmittel wie Kissen, Bälle und Matten bereitstellen. Fazit Am allerwichtigsten ist, dass du deine Geburtsposition frei wählen kannst. Es gibt keine perfekte Position. Höre auf deinen Körper und dein Gefühl – du weißt, welche Position für dich und dein Baby am besten ist. Wechsele intuitiv die Position und bewege dich, um herauszufinden, was sich in jeder Geburtsphase am besten anfühlt. Alles Gute für Dich, Eure baybies-Hebamme Ana
Frühchen begleiten - das ist nach einer Frühgeburt entscheidend

Frühchen begleiten - das ist nach einer Frühgeburt entscheidend

Frühgeborene sind Babys, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche oder  mit einem Geburtsgewicht von unter 2500g geboren werden. Etwa 8% aller Babys sind Frühgeburten. Eine Frühgeburt bedeutet erstmal eine ungeplante Situation für die ganze Familie. Und nicht nur für das zu früh geborenen Baby ist diese Zeit intensiv und herausfordernd, auch für euch als Eltern bedeutet sie oft Sorgen und besonderes Kümmern. In diesem Artikel möchte ich euch rund um das Thema Frühgeburten aufklären und euch Tipps und Wissen mitgeben: Was für Arten von Frühgeburten gibt es? Wodurch kommt es zu einer Frühgeburt? Kann man Frühgeburten vorbeugen? Frühgeburten rechtzeitig erkennen Was tun beim Verdacht auf eine Frühgeburt? Ab wann sind Frühchen überlebensfähig? Was muss man bei einem Frühchen beachten? Unterschiedliche Frühgeborene – Was für Arten von Frühgeburten gibt es? Frühchen ist nicht gleich Frühchen – es gibt große Unterschiede bei Frühgeburten. Eingeteilt werden sie je nachdem in welcher Schwangerschaftswoche (SSW) und mit welchem Geburtsgewicht sie zur Welt kommen. Späte Frühgeborene Kinder, die zwischen der 34. und der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, werden als sogenannte späte Frühgeborene (LPI = „late preterm infants“) bezeichnet. Sie unterscheiden sich in Bezug auf ihre Größe und ihr Gewicht nur unwesentlich von reif geborenen Kindern. Dennoch fehlt auch ihnen wertvolle Entwicklungszeit, so dass sie zu Frühgeburten zählen. Frühgeburten mit sehr niedrigem Geburtsgewicht Babys, die bei ihrer Geburt weniger als 1.500g wiegen, werden als Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW = „very low birth weight infants“) bezeichnet. Meist kommen sie vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt. Frühgeburten mit extrem niedrigem Geburtsgewicht Und dann gibt es die noch zarteren Babys, die vor der 29. Schwangerschaftswoche geboren werden. Sie werden als Frühgeborene mit extrem niedrigem Geburtsgewicht (ELBW = „extremely low birth weight infants“) betitelt, da sie meist anfangs nur um die 1.000g wiegen. Entsprechend klein ist ihre Körpergröße. Untergewichtige Termingeborene Als vierte Kategorie von Frühgeburten gibt es noch reif geborene Kinder, die zwar um den errechneten Geburtstermin herum zur Welt kommen, aber ein Gewicht von weniger als 2.500g mitbringen. Sie gelten als Frühgeborene, wodurch ihre Mütter einen Anspruch auf verlängerten Mutterschutz haben. (Quelle: https://www.fruehgeborene.de/familie/allgemeine-infos.htm) Die medizinische Versorgung, die ein Frühchen bekommt, und wie lang es auf der Neonatologie (Kinderintensivstation) behandelt wird, richtet sich danach, wann und mit welchem Gewicht es zur Welt gekommen und wie sein allgemeiner Zustand ist. Wodurch kommt es zu einer Frühgeburt? Ursachen und Risikofaktoren, die zu einer Frühgeburt führen können, sind sehr unterschiedlich und individuell. Oftmals kann man nicht genau definieren, was der Auslöser für eine verfrühte Geburt war, es gibt allerdings ein paar Faktoren, die im Zusammenhang mit Frühgeburten beobachtet wurden. Risikofaktoren für Frühgeburten können sein: Mehrlingsschwangerschaften Das Alter der Mutter: Unter 18 oder über 35 Jahren Erfahrungen der Mutter: Bereits erlebte Frühgeburten Künstliche Befruchtung Vorerkrankung der Mutter (zB. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Infektionskrankheiten) Vaginalinfektionen Lebensstil der Mutter: Alkoholkonsum, Nikotinkonsum, Drogenkonsum, starkes Unter- oder Übergewicht, starke psychische Belastungen. Erkrankungen des Kindes (zB. Fehlbildungen) Komplikationen in der Schwangerschaft (zB. Gebärmutterfehlbildungen, Muttermundschwäche, Störungen der Plazenta, vorzeitiger Blasensprung, vorzeitige Wehentätgigkeit) Wie kann man Frühgeburten vorbeugen? Wir alle möchten, dass unsere Kinder gesund, reif und gut entwickelt zur Welt kommen. Damit unser Baby seine Reife im Mutterleib bekommt und nicht zu früh zur Welt kommt, gibt es ein paar Dinge, auf die werdende Mamis achten können: Regelmäßige Vorsorgen mit deiner Hebamme und/oder deiner Frauenärztin: Ein regelmäßiger Check kann helfen einer Frühgeburt vorzubeugen. Sollte beispielsweise dein Muttermund verkürzt sein, kann dies in einer Untersuchung festgestellt und entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Ähnlich ist es auch mit Vaginalinfektionen. Werden diese frühzeitig erkannt, können sie direkt behandelt werden. Grundsätzlich hilft ein gesunder Lifestyle in der Schwangerschaft natürlich auch. Stärke dein Immunsystem mit gesunder Ernährung und bewege dich viel an der frischen Luft. Verzichte auf Nikotin, Alkohol und Drogen und vermeide extremen körperlichen oder mentalen Stress. Achte auf die richtige Hygiene im Intimbereich. Vermeide aggressive Seife, die deine natürliche Vaginalflora angreift. Wenn du das Gefühl hast einen Scheidenpilz zu haben oder dass deine Vaginalflora nicht in Ordnung ist, besprich dies zeitnah mit deiner Gynäkologin. Anzeichen für eine veränderte Vaginalflora können sein: Jucken, Brennen, vermehrter oder veränderter Ausfluss, auffälliger Geruch.Neben diesen Dingen, auf die du selbst achten kannst, gibt es leider auch eine Reihe an Faktoren, die du als Schwangere nicht beeinflussen kannst. Solltest du also eine Frühgeburt haben, kann dies durch die unterschiedlichsten Gründe verursacht worden sein. Du brauchst dir kein schlechtes Gewissen zu machen, denn Frühgeburten können nur selten durch das Verhalten der Mutter beeinflusst werden!Tatsächlich bleibt die Ursache einer Frühgeburt häufig ungeklärt. Solltest du, aufgrund von vorherigen Erfahrungen oder – warum auch immer – Ängste und Sorgen in Bezug auf eine Frühgeburt haben, besprich dies unbedingt mit deiner Hebamme oder einem Ansprechpartner deines Vertrauens. Anzeichen für eine Frühgeburt – Frühgeburten rechtzeitig erkennen Es gibt Anzeichen, die auf eine drohende Frühgeburt hinweisen. Hierzu zählen vorzeitige Wehen. Vorzeitige Wehen zeigen sich als Krämpfe im Unterbauch, die sich ähnlich, wie Periodenschmerzen anfühlen, und bei denen der Bauch regelmäßig hart wird. Ein weiteres Indiz für eine Frühgeburt ist ein Blasensprung und der Verlust von Fruchtwasser. Dies muss nicht unbedingt schwallartig oder fontänenmäßig, wie in Hollywoodfilmen geschehen, sondern kann sich auch tröpfchenweise äußern. Was tun bei dem Verdacht auf eine Frühgeburt? Wenn du Anzeichen für eine Frühgeburt beobachtest, solltest du dies immer mit deinem Frauenarzt oder im Krankenhaus abklären. Dort wirst du körperlich untersucht und es werden unterschiedliche Tests durchgeführt. Anhand von Ultraschall, einem CTG, einer Untersuchung deines Muttermundes und einem Test, ob du einen Blasensprung hattest, können Ärzte die Situation einschätzen. Dein Arzt und deine Hebamme werden das weitere Vorgehen entsprechend der Diagnose mit dir besprechen. Bei einer rechtzeitige Behandlung kann eine drohende Frühgeburt oft noch hinausgezögert werden. Ab wann sind Frühchen überlebensfähig? Je früher ein Baby geboren wird, desto unreifer sind seine Organe und sein Immunsystem. Und desto intensiver muss seine Behandlung sein. Heutzutage gilt ein Baby zwischen der 23. und der 25. SSW schon als medizinisch lebensfähig und hat Chancen auch außerhalb des Mutterleibes zu überleben. Mit jeder weiteren Schwangerschaftswoche steigt die Lebensfähigkeit. Ab der vollendeten 34. SSW ist die Lungenreife des Babys abgeschlossen. Dies ist ein wichtiger Meilenstein in seiner Entwicklung. Werden Babys vor der 34. SSW geboren, wird versucht der Mutter noch vor bevorstehender Geburt eine Spritze, die sogenannte RDS-Prophylaxe, zur Lungenreife zu geben. Was tun bei einer Frühgeburt? Was muss man bei Frühchen beachten?  Känguruhen – Frühgeburten brauchen Körperkontakt Frühchen brauchen ganz besonders viel Wärme und Körperkontakt, denn ihnen fehlt behütete Zeit im Bauch der Mutter. Wenn du ein Frühchen hast, ist dieser Körperkontakt und Haut-auf-Haut, Liebe und Zuwendung das Wichtigste. Es gibt sogar einen Fachbegriff hierfür: Wenn ein Baby nackt auf dem Oberkörper seiner Eltern liegt, nennt man dies Känguruhen. Das Klinikpersonal hilft dir hierbei und legt in der Regel großen Wert darauf, dass dies so früh, wie möglich, geschieht – selbst bei den ganz Kleinen, die an Kabel angeschlossen sind. Die Vorteile von Känguruhen sind enorm! Deine Körperwärme, dein Geruch und dein Herzschlag wirken, wie ein Wundermittel für die Kleinen. Frühchen können sich dadurch entspannen, die eigene Körpertemperatur stabilisieren und besser mit Schmerzen und Unwohlsein umgehen. Außerdem werden Vitalfunktionen, wie die Atmung, stabilisiert. Und auch für die Eltern hat Kängruhen Vorteile. Durch den engen Körperkontakt kann die Bindung gefestigt werden, Stichwort: Bonding, und ihr werdet automatisch sicherer im Umgang mit eurem Baby. Muttermilch von Anfang an Wenn du stillen möchtest, ist Muttermilch immer die beste Nahrung für dein Frühchen – sobald das möglich ist. Anfangs kann abgepumpte Muttermilch auch über eine Sonde gefüttert werden. Sobald dein Baby kräftiger ist, kann es selbst saugen und du kannst es an die Brust anlegen. Hol’ dir gerne Unterstützung durch Stillberaterinnen auf der Frühchenstation. So kannst du tolle Tipps lernen und herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, um deine Milchproduktion anzuregen und zu stillen. Hol’ dir Unterstützung – physisch und mental! Die erste Unterstützung bei Frühgeburten kommt meist durch das Klinikpersonal. Kinderkrankenpfleger und Schwestern zeigen dir, wie du dein frühgeborenes Baby – trotz Verkabelung – selbst wickeln und waschen kannst. Unsicherheit ist am Anfang ganz normal, mit der Zeit und den richtigen Griffen wirst du immer sicherer werden. Diese Unterstützung bereitet dich auch auf die anschließende Zeit Zuhause vor. Apropos Zuhause: Wenn es dann soweit ist, dass ihr euer Frühchen mit nach Hause nehmen könnt, ist es super, wenn du auch hier vorab für Unterstützung sorgst. Kümmere dich um eine erfahrene Hebamme, die dir zur Seite steht. Übrigens: Mit einem Attest des Kinderarztes kann die Betreuung durch eine Hebamme bei Frühgeburten verlängert werden. Je nach Zustand des Kindes gibt es auch ambulante Betreuungsmöglichkeiten durch Kinderkrankenpfleger oder Pflegerinnen, die zu euch nach Hause kommen. In manchen Fällen besteht außerdem ein Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Frag’ hierfür bei deiner Krankenkasse nach. Viele Kassen übernehmen die Kosten. In manchen Fällen brauchen Frühgeburten besondere Therapien. Auch hierum kümmert ihr euch am besten frühzeitig. Welche speziellen Therapeuten gibt es bei euch in der Nähe? Was könnte hilfreich für euer Mini sein? Und zu guter Letzt: auch der Austausch mit Anderen kann eine großartige (mentale) Unterstützung sein. Ihr seid nicht die einzigen Frühchen-Eltern. Ihr seid nicht die einzigen, die entsprechende Sorgen und Ängste haben. Schaut, welche Angebote es in eurer Nähe mit Gleichgesinnten gibt. Vielleicht gibt es einen Austausch-Treff oder eine Selbsthilfegruppe. Die Situation mit einem früh geborenen Baby kann belastend sein. Kümmert euch – neben all der Babypflege – auch um euch und euer Wohl. Gut zu wissen: Mit einem Attest über die Frühgeburt kannst du den Mutterschutz nach der Geburt verlängern! Empfehlungen und weitere Infos bei Frühgeburten Kennst du den Podcast „Die friedliche Geburt“? Neben einer Vielzahl an Tipps und Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Co gibt es hier auch eine Folge zum Thema Frühgeburt. Hört gerne mal rein! Vielleicht kann sie euch ein wenig Angst nehmen und ermutigen: https://die-friedliche-geburt.de/2023/06/25/293-fruehgeburt-mit-einleitung-neo-und-trotzdem-positiv-interview-mit-chantal/ Wichtige und weiterführende Informationen rund um das Thema Frühgeburten und Frühchen bekommt ihr auf dieser Seite des Familienportals: https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/schwangerschaft-geburt/fruehgeborene Euer Frühchen und ihr! Manchmal kommt es anders als geplant. Und manchmal wirft das ziemlich viel durcheinander. Warum, wieso, weshalb – das weiß man nicht immer. Was aber sicher ist: heutzutage sind die Möglichkeiten und ist die medizinische Versorgung für Frühgeburten so gut, wie nie zuvor! Es gibt zahlreiche Varianten Frühchen zu unterstützen, so dass man ihnen nach einer gewissen Zeit ihren Frühchen-Status nicht mehr anmerken wird. Euer Frühchen steht im Mittelpunkt. Und dennoch möchte ich euch ans Herz legen auch auf euch und euer Wohl zu achten. Es ist okay, wenn ihr zwischendurch auch eure Akkus aufladet, euch Momente nur für euch nehmt, euch selbst stärkt. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute – und eine Extraportion Power und Liebe für euren kleinen Erdbewohner, eure baybies Hebamme Ana
Alles rund um Zwillinge - von der Schwangerschaft bis zum Stillen

Alles rund um Zwillinge - von der Schwangerschaft bis zum Stillen

Manchmal schenkt uns das Leben nicht ein Baby, sondern gleich zwei. Zwei Herzschläge, die wir direkt mit dem ersten Ultraschall sehen können und wissen: es werden Zwillinge! Aktuell werden weltweit jedes Jahr 1,6 Millionen Zwillingspaare geboren. Zwillinge sind aber nicht gleich Zwillinge. Es gibt Unterschiede. Der größte und bedeutendste ist die Unterscheidung zwischen eineiigen Zwillingen und zweieiigen Zwillingen. In diesem Artikel findet ihr Informationen rund um Zwillinge: Zweieiige Zwillinge und eineiige Zwillinge Wie kommt es zu Zwillingen? Woher weiß man, dass man Zwillinge bekommt? Schwangerschaft mit Zwillingen Die Geburt von Zwillingen Kann man Zwillinge stillen? Wissenswertes: Von Elternzeit bis Kindergeld Zweieiige Zwillinge Etwa 75% der Zwillinge sind zweieiig und sogenannte dizygote Zwillinge. Sie entstehen aus zwei Eizellen und werden von zwei unterschiedlichen Spermien befruchtet, was bedeutet, dass sie unterschiedliches Erbmaterial haben. Die Befruchtung findet mehr oder weniger gleichzeitig und in einem Zyklus statt. Beide Embryonen haben ihre eigene Fruchthöhle und eine eigene Plazenta. Im Fachjargon bezeichnet man dies als dichorial diamniot. Eineiige Zwillinge Eineiige sind in etwa 25% Prozent aller Zwillinge, hier spricht man von monozygoten Zwillingen. Sie entstehen aus einer Eizelle, die von einem Spermium befruchtet wird und sich nach der Befruchtung in zwei Zellkerne teilt. Beide Zellkerne wandern in die Gebärmutter, in der sich dann beide Embryonen einnisten. Das Erbmaterial ist bei Beiden identisch. Es gibt drei, genau genommen sogar vier, verschiedene Formen von monozygoten Zwillingen: Monochorial diamniote Zwillingsschwangerschaft 1 Plazenta, 2 Fruchthöhlen Es handelt sich um monochoriale Zwillinge, wenn sich die befruchtete Eizelle erst nach der Einnistung in der Gebärmutter teilt. Hierdurch entwickelt sich nur eine Plazenta, die sich beide Embryos teilen. Jedes hat dennoch seine eigene Fruchthöhle. Dies ist mit ca. 65% die häufigste Form von eineiigen Zwillingen. Da sich beide Embryos eine Plazenta teilen, kann es bei dieser Schwangerschaft zu Komplikationen, wie beispielsweise einer Unterversorgung der Zwillinge, kommen. Monochoriale Schwangerschaften werden besonders engmaschig kontrolliert, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dichorial diamniote Zwillingsschwangerschaft 2 Plazenten, 2 Fruchthöhlen 35% der eineiigen Zwillinge sind dichorial diamniot. Das bedeutet, dass beide Embryos eine eigene Plazenta haben und jeweils von einer eigenen Eihaut umgeben sind (Amnion und Chorion). Monochorial monoamniote Zwillinge 1 Plazenta, 1 Fruchthöhle Bei dieser Zwillingsschwangerschaft teilen sich beide Feten eine Fruchthöhle und eine Plazenta. Dies kommt selten vor und macht nur ein Prozent der eineiigen Zwillingsschwangerschaften aus. Eine solche Schwangerschaft birgt ein erhöhtes Risiko durch zum Beispiel Nabelschnurkomplikationen. Siamesische Zwillinge Siamesische Zwillinge sind ebenfalls monochorial monoamniote Zwillinge, die sich eine Plazenta und eine Fruchthöhle teilen. Hinzu kommt, dass diese Feten in unterschiedlichem Grad miteinander verwachsend sind. Siamesische Zwillinge machen etwa 0,1% aller Zwillinge aus. Insgesamt sind sie aber extrem selten und laut Fachliteratur werden bei einer von einer Million Geburten zusammengewachsene Zwillinge zur Welt gebracht. Wie kommt es zu Zwillingen? Die Häufigkeit von Mehrlingen durch Spontankonzeption liegt bei etwa 1,18%. Die Wahrscheinlichkeit Mehrlinge zu bekommen, steigt ab einem Alter von 35 Jahren an. Ab diesem Alter der Frau kann es häufiger zu mehreren Eisprüngen pro Zyklus kommen. Außerdem nehmen mit steigendem Alter künstliche Befruchtungen oder Fertilitätsbehandlungen zu, wodurch oftmals mehrere Eizellen befruchtet werden. Eineiige Zwillinge sind ein Zufallsprodukt der Natur, so sagt man. Zweieiige Zwillinge kommen in manchen Familien häufiger vor. Hierbei spielt also auch ein erblicher Faktor eine Rolle. Woher weiß man, dass man Zwillinge bekommt? Heutzutage sind Zwillingsschwangerschaften schon sehr früh durch Ultraschall erkennbar. Meist erfährst du hiervon direkt bei deiner ersten Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung. Manche Eltern haben sich Zwillinge gewünscht und manche, nun ja, sind über diese Nachricht vielleicht erstmal erschrocken und geschockt. Und das ist vollkommen okay. Da du bereits so früh davon erfährst, hast du Zeit dich mit dem Gedanken anzufreunden. Und dich darauf vorzubereiten, dass nicht nur ein kleiner Mensch, sondern direkt zwei einen Teil deines Lebens einnehmen werden. Schwanger mit Zwillingen! Wenn du erfahren hast, dass du Zwillinge erwartest, kümmere dich am besten direkt um eine Hebamme. Sie kann dir zur Seite stehen, Sorgen mit dir besprechen und dir Antworten auf all die vielen Fragen geben. Eine Zwillingsschwangerschaft wird von Ärzten immer als Risikoschwangerschaft eingestuft – darüber musst du dir keinen Kopf machen, es bedeutet erstmal nur, dass du engmaschiger bei deinem Gynäkologen untersucht wirst. Wie häufig und in welchen Abständen Schwangerschaftskontrollen stattfinden, ist abhängig davon, ob du eineiige oder zweieiige Zwillinge bekommst. Der beste Tipp ist immer: bleib’ entspannt. Mach’ dir keine Sorgen. Viele Zwillingsschwangerschaften verlaufen völlig normal und ohne Komplikationen. Auch als werdende Mama von Zwillingen kannst du eine ganz normale Schwangerschaft und eine vaginale Geburt haben. Schwangerschaft mit Zwillingen Durch die Doppelbelastung wird dein Körper mehr beansprucht, als bei einer einfachen Schwangerschaft. Zwei Babys bedeuten doppeltes Gewicht, was besonders deinen Beckenboden und die Muskulatur in bestimmten Bereichen beansprucht. Da der Babybauch ebenfalls größer wird, als bei nur einem Baby, steht auch dein Bauch unter stärkerer Dehnung. Auch die Gewichtszunahme ist verständlicherweise höher, als bei einer Einlingsschwangerschaft. Manche Frauen leiden bei einer Zwillingsschwangerschaft stärker an Übelkeit. Dies liegt an der erhöhten Hormonausschüttung, die aber mit Ende des dritten Monats in der Regel nachlässt. Zwillingsschwangerschaft = Risikoschwangerschaft? Als Risikoschwangerschaften werden Zwillingsschwangerschaften daher eingestuft, da bei der Mutter ein erhöhtes Risiko an schwangerschaftsinduzierter Hypertonie (Bluthochdruck) besteht, es zu Wassereinlagerungen oder Frühgeburten kommen kann. Zum Anderen können auch für die Zwillinge spezifische Risiken bestehen. Mögliche Komplikationen kann ein fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS) oder eine Wachstumsverzögerung eines Zwillings sein. Dein Frauenarzt und deine Hebamme werden die Entwicklung deiner Kinder und natürlich auch dein Wohlbefinden regelmäßig checken. Und dich bestmöglich betreuen, entsprechend deines Schwangerschaftsverlaufs. Die Geburt von Zwillingen Wie du dich am besten auf die Geburt vorbereiten kannst, besprichst du am besten mit deiner Hebamme. Es gibt extra Geburtsvorbereitungskurse für Zwillingseltern. Vielleicht finden in deiner Region auch Treffen statt, in denen du dich mit anderen Zwillingseltern austauschen kannst. Bei Zwillingen empfiehlt es sich, alles etwas früher zu planen und vorzubereiten, da sie häufig etwas zeitiger zur Welt kommen. Überlegt euch rechtzeitig, welche Anschaffungen ihr braucht und habt die Krankenhaustasche griffbereit (Artikel Krankenhaustasche verlinken). Die meisten Zwillinge kommen häufig vor dem errechnetem Geburtstermin zur Welt, oft um die 37. Schwangerschaftswoche. Vereinbare also am besten frühzeitig ein Geburtsplanungsgespräch in der Klinik, in der du entbinden möchtest. Dies ist eine wunderbare Gelegenheit, um mit Gynäkologen und Hebammen Vorort alle Möglichkeiten deiner bevorstehenden Geburt zu besprechen und Wünsche und Fragen zu klären. Ist eine vaginale Geburt bei Zwillingen möglich? Grundsätzlich: ja. Auch bei Zwillingen ist eine vaginale Geburt möglich. Erwartest du Drillinge oder mehr Babys wird dir in den meisten Fällen zu einem geplanten Kaiserschnitt geraten. Bei Zwillingen kommt es auf deine Situation und Zustand an. Voraussetzungen für eine vaginale Geburt bei Zwillingen: Unkomplizierte diaminale Zwillingsschwangerschaft, bei der jedes Baby seine eigene Fruchthöhle hat. Du als Mama solltest gesund und mindesten in der 32. Schwangerschaftswoche (SSW) sein. Das führende Baby muss in Schädellage, also mit Kopf nach unten, liegen. Die Zwillinge haben keinen relevanten Wachstumsunterschied im Ultraschall.  Sind diese Voraussetzungen gegeben spricht nichts gegen den Versuch einer vaginalen Geburt, wenn du dich gut damit fühlst. Werden Zwillinge früher geholt? Je nach Schwangerschaftsverlauf kann es sein, dass die Geburt vor dem errechneten Termin (ET) eingeleitet wird. Besonders dann, wenn sich die Zwillinge eine Plazenta teilen, es sich also um eine monochoriale Zwillingsschwangerschaft handelt. Dann wird eine Geburt in der Regel zwischen der 34. und der 37. SSW angestrebt. Hierdurch wird das Risiko einer Unterversorgung für einen Zwilling vermieden, welches insbesondere in den letzten Wochen einer Schwangerschaft steigt. Bei einer mochochorial monoamnioten Zwillingsschwangerschaft, bei der sich deine Babys eine Fruchthöhle und eine Plazenta teilen, wird ein geplanter Kaiserschnitt meist um die 32. bis 34. SSW durchgeführt. Da sich beide Kinder in einer Fruchtblase befinden, wird sonst die Gefahr einer Nabelschnurverknotung zu hoch. Kann man Zwillinge stillen? Eine häufige Sorge von werdenden Zwillingsmamas ist das Stillen. Kann man bei zwei Babys voll stillen? Ist das möglich? Und wird die Milch reichen? Stillen von Zwillingen ist möglich! Sogar bei Drillingen kann das funktionieren. Dein Körper kann ausreichend Muttermilch produzieren und funktioniert nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip.  Die wichtigste Frage ist meiner Meinung nach aber: MÖCHTEST du deine Zwillinge stillen? Passt es zu deiner Situation? Sind es dir der Zeitaufwand und die „Belastung“ wert? Wenn ja, dann wunderbar – probiere es aus und schau’, wie ihr euch eingroovt. Und wenn nein, ist das auch vollkommen in Ordnung. Nimm dir selbst den Druck und erlaube dir Dinge so zu handhaben, wie sie sich für dich richtig anfühlen. Zu hohe Erwartungen und gedachte Zwänge haben noch keinem geholfen. ;) Wenn du stillen möchtest, hol’ dir unbedingt Hilfe und Beratung von deiner Hebamme oder einer Stillberaterin. Ein gutes Stillmanagement ist bei Zwillingen super wichtig – und kann ganz unterschiedlich und individuell aussehen. Manche Frauen befürworten beispielsweise das synchrone Stillen der Babys, andere raten davon ab. Beides kann Vor- und Nachteile haben: Zwillinge stillen: Babys nacheinander die Brust geben Wenn du deine Zwillinge nacheinander und nicht (immer) parallel stillst, bekommen deine Babys Milch nach ihrem individuellen Hunger und Bedarf. Gerade als Stillanfänger ist abwechselndes Stillen leichter. Hierbei kannst du dich auf ein Baby konzentrieren und leichter auf die optimale Anlegetechnik achten. Der Nachteil beim einzelnen Stillen ist der doppelte Zeitaufwand. Außerdem kann es durchaus vorkommen, dass beide Babys gleichzeitig Hunger haben und schnellstmöglich an die Brust wollen. Zwillinge gleichzeitig stillen Du kannst versuchen deine Babys zu synchronisieren und möglichst oft gleichzeitig zu stillen. Es gibt verschiedene Stillpositionen, in denen du Zwillinge gleichzeitig anlegen kannst. Lass’ dir hierbei unbedingt von deiner Hebamme helfen. Es braucht etwas Übung zwei Babys gleichzeitig zu stillen und korrekt an die Brust anzulegen. Hilfreich ist dabei ein gutes Stillkissen. Der großer Vorteil beim synchronen Stillen ist der geringere Zeitaufwand. Außerdem profitiert ein eher saugschwaches Baby von dem parallelen Stillen, da das kräftigere Baby durch sein starkes Saugen den Milchspendereflex auslöst. Der Nachteil ist, dass es häufig gar nicht so einfach ist, einen guten Stillrhythmus zu finden, der zu beiden Babys passt und allen gerecht wird. Fazit: Wie stillt man Zwillinge am besten? Letztlich musst du dich gar nicht für eine Variante entscheiden, sondern kannst alles ausprobieren, was für dich und euch passt. Teste gerne unterschiedliche Varianten und Rhythmen. Der Austausch mit anderen Zwillingsmüttern tut meistens auch sehr gut – vernetze dich und lass dich inspirieren. Und: achte unbedingt auch auf deine Bedürfnisse: Was brauchst du? Was tut dir gut? Lass dein Vertrauen wachsen, dass ihr, du und deine Babys gemeinsam immer mehr herausfinden werdet, was und wie für euch am besten funktioniert.  Wissenswertes für Zwillinge und Zwillingsschwangerschaften Mutterschutz bei Zwillingsschwangerschaften In Deutschland beginnt der Mutterschurz sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin, genau wie bei Einlingsschwangerschaften auch. Er verlängert sich nach der Geburt aber auf zwölf, anstelle von acht, Wochen. Kommt dein Baby vor dem errechneten Termin zur Welt, was bei Zwillingen häufig der Fall ist, verlierst du diese Zeit nicht, sondern sie wird hinten dran gehängt. Nachsorge durch die Hebamme Die Nachsorgebetreuung durch die Hebamme kann bei Zwillingen verlängert werden und wird von den meisten Krankenkassen vollständig übernommen. Erkundige dich hierzu vorab bei deiner Versicherung. Du hast bei Zwillingen außerdem die Möglichkeit eine Haushaltshilfe über deine Krankenkasse zu beantragen. Auch hierüber informiert ihr euch am besten vor der Geburt. Elternzeit bei Zwillingen Da die Elternzeit pro Kind gerechnet wird, habt ihr als Eltern von Zwillingen das Anrecht auf bis zu sechs Jahren Elternzeit ingesamt. Voraussetzung dafür ist, dass pro Kind mindestens zwölf Monate Elternzeit innerhalb der ersten drei Lebensjahre genommen werden. Das bedeutet für euch als Zwillingseltern: Bis zum dritten Geburtstag der Zwillinge müssen mindestens 24 Monate Elternzeit genommen werden. Elterngeld bei Zwillingen Es gibt zwar die doppelte Elternzeit, allerdings kein doppeltes Elterngeld. Bei Zwillingen erhaltet ihr aber einen Mehrlingszuschlag: Gemäß § 2a Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) gilt: „Bei Zwillingen besteht nur Anspruch auf den einfachen Elterngeldsatz plus 300 Euro Mehrlingszuschlag im Monat (bei Elterngeld Plus: 150 Euro im Monat). So sollen zusätzliche Ausgaben gedeckt werden, die für Babynahrung, Windeln und Co. bei zwei Kindern anfallen.“ Kindergeld bei Zwillingen Kindergeld wird pro Kind ausgezahlt. Aktuell erhaltet ihr für jedes anspruchsberechtigte Kind 250 Euro im Monat, unabhängig von eurem Einkommen. Kindergeld kann nur von einem Elternteil beantragt werden. Deine Zwillinge und du Vielleicht hattest du das anders geplant. Vielleicht fühlst du dich mit der Nachricht über Zwillinge erst einmal überfordert. Und vielleicht war es das, was du dir immer gewünscht hast. Sicher ist eines: diese zwei kleinen Menschlein haben sich dich als Elternteil ausgesucht. Und sie werden dein Leben bereichern. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für diese spannende Zeit! Und denk’ immer daran: locker bleiben. Perfekt gibt es nicht und du, du wirst das wunderbar meistern! Alles Liebe, eure baybies-Hebamme Ana

Das mother magazine

mother matters – weil alles, was Frauen durchleben, Aufmerksamkeit verdient. Dieser Blog ist der Ort, an dem wir über Frauengesundheit reden, wie es sonst zu selten passiert: offen, fundiert und ohne Beschönigung.

Wir begleiten dich durch jede Lebensphase. Beim Kinderwunsch sprechen wir über Zyklus, Fruchtbarkeit und die emotionale Achterbahn auf dem Weg zum positiven Test. In der Schwangerschaft geht es um wachsende Bäuche, hormonelle Veränderungen und die Pflege, die deine Haut jetzt wirklich braucht. Im Wochenbett und in der Stillzeit reden wir über Heilung, Schlafmangel, Nährstoffbedarf und die neue Identität als Mutter.

Doch mother matters denkt weiter. Auch die Jahre nach der aktiven Mutterschaft – Perimenopause, Wechseljahre, hormonelle Umstellungen ab 40 – gehören zur Geschichte einer Frau. Wir liefern dir Wissen zu Symptomen, Mythen und sinnvoller Unterstützung durch Pflege und Nahrungsergänzung.
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